Ein Zimtstern für Irina

Bei einer Ausschreibung des Leinpfad Verlages ging es darum, einen Kurzkrimi zu schreiben, der in der Vorweihnachtszeit und in Südhessen spielen soll.

Nichts leichter als das. Da ich in Rüdesheim am Rhein lebe und sogar ein Katholisches Mädchengymnasium besuchte, war klar, dass mein Krimi in meiner Heimatstadt während einer Roratemesse spielen würde. Somit ist der Krimi „Ein Zimtstern für Irina“ entstanden, der in der Anthologie „Tödliche Türchen“ (Hg.v. Fenna Williams und Angelika Schulz-Parthu) erschien.

Cover Tödliche Türchen

Hier gibt es sogar einen Fernsehbeitrag zu „Tödliche Türchen“ in der Hessenschau vom 23.12.2014

Lesung Tödliche Türchen
Die „Tödliche-Türchen-Crew“ vor der Lesung in der Villa Clementine, Wiesbaden

 

Leseprobe:

Tief im Innern fühlte Marion, dass sie den Bratapfelkuchen nicht 45, sondern 49 ½ Minuten backen musste. Rezepte waren so seelenlos. Marion jedoch backte mit dem Herzen und mit Berta, ihrem Backofen. Sie backten schon seit zwanzig Jahren zusammen und Berta hatte sie noch nie enttäuscht. Andere hatten Haustiere, Marion hatte Berta. Natürlich sprach sie mit niemand über ihr Verhältnis zu Berta, genauso wenig wie über alles andere in ihrem Leben.

Ja, sie liebte diese Vorweihnachtszeit besonders. Da gab es so viel zu backen: tausenderlei Plätzchen, Kuchen und Torten. Dann gab es in ihrer Rüdesheimer Kirche St. Jakobus so wundervolle Feste zu feiern und sie konnte ihr Backwerk an den Herrn Pfarrer verschenken. In der weihnachtlich geschmückten Kirche leuchteten seine Augen so selig und seine Worte klangen in Erwartung des Herrn noch wärmer und wohliger als sonst. Sie konnte nicht genug haben von ihm. Nun war Berta soweit. Marion öffnete Bertas Tür und zog das Blech mit dem Kuchen heraus. Wie er duftete. Berta war die beste.

Ihre Wangen begannen zu glühen, als sie daran dachte, wie der Herr Pfarrer mit seinen filigranen Händen die gefüllte Kuchengabel zu seinem Mund führte, um ihren Kuchen mit geschlossenen Augen auf seiner Zunge zergehen zu lassen. Dann würde er sie anstrahlen, lächeln und sagen: „Das nenne ich Backkunst, Sie Fleißige!“ Allein für solch einen Augenblick lohnte es sich, zu leben. Mehr wollte sie nicht.

 

 

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